"Herzfeld – UVT",

Installation im neuen Gebäude der Vokshochschule
Im Rahmen von "Senf dazu!" im ehemaligen Hengstenberg-Hochhaus
08.10.2011 bis 23.10.2011
Eigenartige schwarze Kästen mit der Aufschrift „Umverteiler“ befinden sich an der Stirnseite des Flurs im 1 OG des Hengstenberg-Hochhauses. Es sind darauf Stromkreise eingezeichnet mit Zuordnungen für „Kraft“ und „Licht“, nach straßenseits oder hofseits, etc. Offenbar wurde früher an dieser Stelle Licht und Kraft verteilt, Senf gepumpt, Energie für die Produktion weitergeleitet. Bei Umbau und Renovierung wurde dieses „Herz“ dieses Hauses bewusst vor der Zerstörung geschützt und das ganze Stockwerk mit einem blutroten Bodenbelag versehen.
Im Alten Ägypten (und nicht nur dort) galt das Herz als Sitz des Bewusstseins und Gefäß der Intelligenz. Daher wurden bei den Mumien die Herzen nicht aus den Körpern entfernt. In Wendungen wie „to learn by heart“ oder „apprendre par coeur“ spiegelt sich noch immer der Zusammenhang zwischen dem bewussten Lernen und dem Herzorgan, „ricordari“ im Gegensatz zum rein im Gedächtnis stattfindenden „meminisse“.
Die Bedeutung des Herzens als ein mit dem Denken und Verstehen korrespondierendes Zentrum ist weltweit zu belegen. Darüber hinaus wurde und wird bei vielen europäischen und außereuropäischen Völkern das Herz als personale Mitte, Quelle des menschlichen Daseins und Sitz der Seele gesehen.
Das Herz bildete in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht eine Einheit und war Sitz der Gefühle, des Willens, des Gedächtnisses, des Denkens, der Weisheit und der göttlichen Liebe. Idealerweise sollte das Herz sowohl „lebendig“ bzw. „wach“, als auch „auf seinem Platz“ sein. Um dies zu gewährleisten, sollte das Herz stimuliert, aufgeweckt, belebt und gefestigt werden.
Mit ihrer Installation Herzfeld – UVT spürt Regine Schaupp diesem besonderen Ort und seiner Funktion in Vergangenheit und Gegenwart nach und bringt das zuvor stillgelegte „Herz“ im neuen Umfeld und Bezug wieder zum Schlagen.